Was in der ayurvedischen Lehre bereits seit tausenden von Jahren als heilendes und entgiftendes Morgenritual bekannt ist, hat vor allem in den letzten Monaten einen wahren Boom erlebt: Die Rede ist vom Ölziehen. Auch bekannt unter den Namen Ölkauen, Ölschlürfen oder Ölspülen.

Dabei handelt es sich um eine einfache und dazu auch noch preiswerte Methode, mit der sich Giftstoffe aus dem Körper „herausziehen“ lassen. Neben der Zahn- und Mundgesundheit – auf die sich das Ölziehen besonders positiv auswirkt – kann diese Methode auch bei vielen anderen Krankheiten angewandt werden. So finden sich viele positive Erfahrungsberichte die von Erfolgen des Ölziehens bei den verschiedensten Krankheiten wie etwa Arthritis, Rheuma, Kopfschmerzen, Migräne und sogar Herzkrankheiten berichten.

Im Folgenden erfährst Du Schritt für Schritt, was es mit dem Ölziehen auf sich hat, welche Öle sich besonders eignen und was beim Ölziehen zu beachten ist.

Die Geschichte des Ölziehens

Wie bereits erwähnt handelt es sich beim Ölziehen um ein Morgenritual aus der traditionellen ayurvedischen Lehre. Es wurde bereits in der ältesten ayurvedischen Schrift, der Charaka Samhita, unter der Bezeichnung Kavala Gandoosha bzw. Kavala Graha beschrieben. In diesem über 2000 Jahre alten Werk werden mehr als 30 systemische Krankheiten wie etwa Diabetes oder Asthma aufgeführt, die sich durch das Ölziehen heilen lassen sollen.

Obwohl das Ölziehen so alt ist, gelang das Wissen um die Methode erst Anfang der 90er Jahre dank des russischen Arztes Doktor F. Karach nach Europa.

Welche Wirkung hat das Ölziehen?

Wie bereits am Anfang erwähnt wirkt sich das Ölziehen besonders gut auf unser Zahnfleisch und unsere Mundgesundheit aus. Ausschlaggebend hierfür ist die antibakterielle Wirkung des Öls in Kombination mit der Zeit, die für das Ölziehen aufgewendet werden muss. In den bei einer Ölziehkur empfohlenen 20 Minuten hat das Öl genügend Zeit in jede Lücke unseres Mundraumes einzuziehen und dort auf die vorhandenen Bakterien einzuwirken. So wird Mundgeruch bzw. die Bakterien, die Mundgeruch verursachen, sowie Karies durch eine Ölziehkur aktiv und wirksam bekämpft.

Diese positive Eigenschaft des Ölziehens auf Zähne und Zahnfleisch wurde übrigens in einer Studie aus dem Jahre 2007 nachgewiesen. Hier stellte sich bei den Probanden nach einer Dauer von 45 Tagen signifikante Verbesserung bei den bestehenden Zahnfleischentzündungen sowie eine deutliche Reduktion der Zahnbeläge ein.

Doch das Ölziehen bringt noch mehr positive Eigenschaften mit sich: Da die antibakterielle und entgiftende Wirkung unseren gesamten Körper entlastet, lassen sich noch viele weitere positive Auswirkungen des Ölziehens feststellen. So lassen sich vor allem bei den folgenden Beschwerden deutliche Besserungen durch das Ölziehen feststellen:

•    Akne
•    Schuppenflechte
•    Neurodermitis
•    Aphthen
•    Kopfschmerzen und Migräne
•    Bronchitis und grippale Infekte
•    Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts
•    Erkrankungen des Blutes
•    Erkrankungen der Nieren und der Leber
•    Herzkrankheiten
•    Rheuma
•    Thrombose
•    Schlafstörungen
•    Frauenleiden

Wie funktioniert Ölziehen genau?

Schritt 1: Reinigen der Zunge

Bevor Du mit dem eigentlichen Ölziehen beginnst, solltest Du Dir unbedingt deine Zunge reinigen. Das geht am besten mit einem ayurvedischen Zungenschaber aus Edelstahl. Alternativ kannst Du auch einen Edelstahllöffel benutzen. Fahre einfach mit dem Reiniger bzw. dem umgedrehten Löffel von hinten nach vorne über Deine Zunge um den Belag zu entfernen.

Zungenreiniger

Schritt 2: Ölziehen

Nun beginnt das eigentliche Ölziehen. Zu diesem Zweck nimmst Du 1 EL Öl in den Mund und „ziehst“ es für 20 Minuten im Mund hin und her. Ziehen bedeutet in diesem Fall, dass Du das Öl zwischen den Zähnen hin durch saugst, es in die hintersten Winkel deines Mundes drückst, von links nach rechts schiebst und es wieder zurück ziehst. Dabei kommt es nicht darauf an, dass Du das Öl krampfhaft in deinem Mund mit hoher Geschwindigkeit hin und her bewegst. Stattdessen solltest Du versuchen so entspannt wie möglich zu sein. Am besten versuchst Du während der 20 Minuten etwas anderes nebenbei zu machen wie etwa Zeitunglesen, das Frühstück vorbereiten oder Haare und Make-Up machen.
Nach Ablauf der Zeit spuckst Du das Öl einfach aus. Ganz wichtig: Während und nach der Anwendung darf das Öl nicht geschluckt werden.

Schritt 3: Zähneputzen

Nachdem das Öl ausgespuckt wurde, solltest Du Deinen Mund gründlich mit warmen Wasser ausspülen. Im Anschluss daran putzt Du Dir ganz normal die Zähne.

Wie Du siehst, ist die Ölziehkur eigentlich ganz einfach. Damit sich positive Ergebnisse einstellen ist es jedoch wichtig, dass Du die Methode über einen längeren Zeitraum anwendest. Wir empfehlen die Kur mindestens einen Monat Durchzuführen. Nach oben sind Dir beim Ölziehen keine Grenzen gesetzt.

Wenn Du ganz neu mit dem Ölziehen beginnen möchtest, empfehlen wir Dir mit einer etwas kleineren Menge Öl zu starten und dich langsam an den 1 EL heranzutasten. Außerdem solltest Du ein Öl nehmen welches für Dich angenehm „zu ziehen“ ist. 20 Minuten können mit dem falschen Öl nämlich sehr lang werden.

Welches Öl solltest Du beim Ölziehen verwenden?

Für das Ölziehen kannst Du eine Vielzahl verschiedener Öle ziehen. Wir raten Dir allerdings dazu, immer ein natives, kaltgepresstes Öl in Bio-Qualität zu verwenden. Denn je weniger das Öl erhitzt und gefiltert wurde, desto mehr wohltuende und positive Inhaltsstoffe sind darin enthalten.
Mit der Zeit haben sich die folgenden Öle als besonders geeignet erwiesen:

Sesamöl

Traditionell wird Sesamöl zum Ölziehen verwendet. Es ist reich an Vitamin E und Mineralstoffen wie etwa Calcium, Kalium und Natrium. Sesamöl besteht aus 44 Prozent mehrfach ungesättigten Fettsäuren sowie 42 Prozent einfach ungesättigten Fettsäuren. Zudem enthält es die sekundären Pflanzenstoffe Sesamin und Sesamolin, welche Deine Abwehrkräfte stärken und als krebspräventiv gelten.

Sonnenblumenöl

In der traditionellen russischen Methode nach Dr. Karach wird natives Sonnenblumenöl zum Ölziehen verwendet. Es ist reich an Vitamin B, D, E und K und enthält 30% einfach ungesättigte Fettsäuren sowie 65% mehrfach ungesättigte Fettsäuren.

Leinöl

Auch Leinöl kann zum Ölziehen verwendet werden. Es wirkt besonders heilend im Mund und Rachenbereich. Außerdem wird Leinöl in der Volksmedizin häufig bei Asthma, Husten und Bronchitis eingesetzt.

Schwarzkümmelöl

Schwarzkümmelöl verfügt über eine Vielzahl an gesundheitlich positiven Eigenschaften. So wirkt Schwarzkümmelöl unter anderem schmerzlindernd, entzündungshemmend, antibakteriell und antiviral.

Zum Schwarzkümmelöl

Olivenöl

Aufgrund seiner vielen positiven Eigenschaften wie etwa das Senken des Cholesterinspiegels, die positive Wirkung auf den Magen- und Darmtrakt, seine antioxidative Wirkung und die Verwendung als Anti-Aging Mittel kann zum Ölziehen auch kaltgepresstes, natives Olivenöl verwendet werden.

Kokosöl

In den letzten Jahren hat sich Kokosöl zum idealen und beliebtesten Öl für das Ölziehen entwickelt. Dies liegt nicht nur am angenehmen Geschmack sondern auch an seinen positiven und stark antibakteriellen Eigenschaften. Vor allem auf die Mundflora wirkt sich das Ölziehen mit Kokosöl besonders positiv aus.

Zum Kokosöl

Weitere Fragen rund um das Ölziehen

Ölziehen als Ersatz für das Zähneputzen?

Das Ölziehen kann und soll das Zähneputzen nicht ersetzen. Stattdessen solltest Du das Ritual des Ölziehens fest in deine Morgenroutine integrieren.

Ist Ölziehen nur morgens oder mehrmals täglich möglich?

Traditionell wird das Ölziehen direkt nach dem Aufstehen am Morgen durchgeführt. Grund hierfür ist, dass sich in der Nacht viele Bakterien in unserem Mundraum sammeln. Es spricht jedoch nichts dagegen, wenn Du mehrmals am Tag Ölziehst. Du solltest jedoch darauf achten das Öl nur vor dem Essen und wenn möglich mit leerem Magen zu zeihen.

Ab wie viel Jahren kann man Ölziehen?

Jedes Kind, das das Zähneputzen beherrscht kann Ölziehen. Wir empfehlen das Ölziehen jedoch erst bei Kindern ab 6 Jahren, da das Kind verstehen muss, dass das Öl auf keinen Fall geschluckt werden darf. Als Ölmenge eignet wir einen halben bis ganzen Teelöffel Öl.

Ölziehen: Das ideale und wirkungsvolle Ritual am Morgen

Wir hoffen, dass wir Dir mit unserem Artikel das Ölziehen näherbringen und alle Fragen rund um diese traditionelle Entgiftungsmethode beantworten konnten. Solltest Du trotzdem noch Fragen rund um das Ölziehen haben, schreib uns bitte deine Frage in die Kommentare. Übrigens würden wir uns auch sehr über Erfahrungen freuen, die Du mit dem Ölziehen machen konntest.