Beifuß zählt zweifelsohne zu den eher unscheinbareren Gewächsen. In Deutschland findet man ihn häufig am Wegesrand oder an Böschungen. Doch der Schein trügt & zwar gewaltig. Wir möchten euch in diesem Artikel zeigen, welche Kraft im gemeinen Beifuß (Artemisia vulgaris) steckt und warum er weit mehr ist als nur ein klassisches Würzkraut zur Weihnachtszeit.
Bereits in der Antike und im Mittelalter spielte die Pflanze eine bedeutende Rolle in der Heilkunde und im Volksglauben. Schon die alten Griechen und Römer schätzten sie als schützendes und stärkendes Kraut, während sie in der europäischen Volksmedizin über Jahrhunderte hinweg vielseitig Verwendung fand. Im Mittelalter galt sie sogar als eines der wichtigsten „Schutzkräuter“ und wurde oft zu Gürteln oder Kränzen gebunden, um Reisende vor Erschöpfung und negativen Einflüssen zu bewahren. Auch in der traditionellen Klostermedizin fand sie ihren festen Platz, wo sie unter anderem zur Unterstützung der Verdauung und zur Stärkung des Körpers verwendet wurde.
Diese lange Geschichte und der damalig oft verwendete Name „Mutter der Kräuter“ zeigt: Hinter der unscheinbaren Erscheinung verbirgt sich eine Pflanze mit beeindruckender Tradition und vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten, die bis heute geschätzt wird.
Welche Kraft steckt im Beifuß?
Dieses traditionsreiche Heilkraut zählt zweifelsfrei zu den bedeutendsten Pflanzen in der Frauenheilkunde, da es bei einer Vielzahl von Beschwerden unterstützend wirken kann.
Besonders geschätzt wird es bei Unterleibsschmerzen, wo es aufgrund seiner wärmenden und krampflösenden Eigenschaften oft als wohltuend empfunden wird. Auch in Zeiten hormoneller Umstellungen, etwa während der Wechseljahre oder beim prämenstruellen Syndrom (PMS), kann es sanft zur Linderung beitragen und das allgemeine Wohlbefinden fördern.
Verantwortlich für diese positiven Eigenschaften sind vor allem die enthaltenen Bitterstoffe, insbesondere die sogenannten Sesquiterpenlactone, sowie das ätherische Öl mit seinen charakteristischen Bestandteilen wie Kampfer und Thujon. Durch das Zusammenspiel dieser Inhaltsstoffe ergibt sich ein breites Anwendungsspektrum, das weit über einen einzelnen Einsatzbereich hinausgeht.
Zu den typischen Anwendungsgebieten zählen unter anderem:
- Appetitlosigkeit
- Asthma
- Blähungen
- Gallenleiden
- Koliken
- Magen- und Darmbeschwerden
- Menstruationsbeschwerden
- Wassereinlagerungen
- Wurmbefall
Beifußtee – einfache Anwendung mit großer Wirkung
Eine der einfachsten Methoden um sich die positiven Eigenschaften des Beifuß zu eigen zu machen ist, wenn dieser als Tee getrunken wird. Die Herstellung des Beifußtees ist dabei sehr einfach:
- 1 TL getrocknetes Kraut mit 200 ml heißem, nicht mehr kochendem Wasser (80°C) übergießen.
- Die Ziehzeit für den Tee beträgt 5 bis 7 Minuten.
- Trinken Sie zwischen 1-3 Tassen täglich.
Dabei sollte der Tee nicht gesüßt werden.
Wichtig: Die Pflanze zählt zu den stark wirkenden Heilpflanzen und darf nicht überdosiert werden. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit, sowie bei Fieber darf der Tee nicht getrunken werden.
Selber pflücken oder kaufen?
Wie eingangs bereits erwähnt, findet man das Kraut auch hierzulande häufig in der Natur. Die ideale Erntezeit beginnt im Mai. Dabei sollten die Blütenstände bereits gut sichtbar, jedoch noch nicht vollständig geöffnet sein. So entfaltet die Pflanze ihr bestes Aroma und ihre wertvollen Inhaltsstoffe.
Achtet beim Sammeln darauf, nur an sauberen, unbelasteten Standorten zu ernten, fernab von stark befahrenen Straßen oder behandelten Feldern. Verwendet vorzugsweise die oberen, zarten Pflanzenteile und bindet diese zu kleinen Bündeln, um sie anschließend an einem luftigen, schattigen Ort schonend zu trocknen.
Alternativ könnt ihr die getrocknete Variante aus kontrolliert biologischem Anbau ganz bequem das ganze Jahr über in unserem Onlineshop erwerben. So habt ihr jederzeit Zugriff auf hochwertige Qualität – unabhängig von Saison und Verfügbarkeit in der Natur.
Achtung!
Beifuß sollte stets mit Bedacht verwendet werden. Eine Überdosierung ist unbedingt zu vermeiden, ebenso die Anwendung bei Fieber oder während der frühen Schwangerschaft.
Bei empfindlichen Personen können allergische Reaktionen hervorrufen oder sogar Asthmaanfälle begünstigt werden.
Zudem wird das Kraut von manchen Menschen als sehr intensiv wahrgenommen, weshalb es in solchen Fällen nur selten und in sehr kleinen Mengen eingesetzt werden sollte.
Wenn ihr unsicher seid oder Fragen rund um das Thema und dessen Anwendung habt, zögert nicht, euch an uns zu wenden.
Autor: Jens Jakob, Diplom-Biologe & Kräuterexperte
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