Ayurveda gilt mit seiner 5.000 Jahre alten Tradition als das älteste Gesundheitssystem der Menschheit. Bei der „Wissenschaft vom langen Leben“, wie Ayurveda auch genannt wird, steht besonders der Einklang von Körper und Geist im Vordergrund.
Neben den oftmals bekannten Massagen und Anwendungen gibt es bei Ayurveda jedoch auch eine spezielle Ernährungslehre. In dieser werden vor allem die Bereiche Verdauung, Stoffwechsel und Gewebe angesprochen. Denn: Befinden sich diese drei Bereiche im Gleichgewicht, können Krankheiten gar nicht erst entstehen.
Die ayurvedische Einteilung in Vata, Pitta und Kapha ist kein medizinisches Diagnosewerkzeug im westlichen Sinne – sie ist ein jahrtausendealtes Orientierungssystem, das den Menschen als Ganzes betrachtet und individuelle Unterschiede in Körperbau, Stoffwechsel und Temperament berücksichtigt. Neuere Studien zeigen interessante Parallelen zwischen Dosha-Ungleichgewichten und westlichen Messungen von Stress, Angst und Wohlbefinden.
Was die einzelnen Kräuter und Gewürze betrifft, ist die wissenschaftliche Datenlage oft beeindruckend: Ingwer, Kurkuma, Kamille, Thymian oder Löwenzahn – viele der im Ayurveda seit Jahrtausenden eingesetzten Pflanzen sind heute auch durch moderne Studien in ihrer Wirkung gut belegt. Das macht die ayurvedische Kräuterkunde zu einem Bereich, in dem alte Weisheit und aktuelle Wissenschaft sich gegenseitig bereichern – auch wenn noch viel Forschungsarbeit vor uns liegt. Wer die genannten Kräuter als unterstützende Ergänzung zu einem bewussten Lebensstil versteht, liegt damit auf einer soliden Grundlage.
Die drei Doshas: Vata, Pitta und Kapha
Voraussetzung für ein gesundes und glückliches Leben ist laut Ayurvedalehre das Wissen um die Konstitution des Eigenen Körpers. Dabei lässt sich das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist in die die drei sogenannten Doshas Vata, Pitta und Kapha einteilen.
Vata
Der Vata-Typ ist eher schlank, zart gebaut und nimmt nur schwer zu. Durch eine etwas unstete Geisteshaltung kann er schlecht Auswendiglernen und neigt zu Vergesslichkeit. Er leidet oftmals unter Schlafstörungen sowie unter einer schlechten Verdauung bzw. Blähungen.
Pitta
Der Pitta-Typ neigt zu einem athletischen Körperbau und ist eher von mittlerer Größe. Er fühlt sich oft angespannt, wirkt gereizt bzw. ungeduldig. Er besitzt einen sehr guten Appetit und reagiert bei Hunger mit Ungeduld und Ärger. Pitta-Typen leiden zudem häufig an Kopfschmerzen, Magenbeschwerden und schwitzen sehr schnell.
Kapha
Kapha-Typen haben einen eher stämmigen, schweren Körperbau und neigen häufig zur Fettleibigkeit. Er fühlt sich häufig müde, antriebslos und schwer, ist häufig erkältet und ist darüber hinaus im Allgemeinen eher nachlässig. Er meidet Sport so oft es geht und kann sich nur schwer von alten Dingen trennen.
Welche Heilkräuter werden in der ayurvedischen Behandlung angewandt?
Heilpflanzen spielen in der Ayurveda-Medizin eine besonders wichtige Rolle. Neben einigen eher unbekannten und exotischen Heilpflanzen kommen jedoch auch viele heimische und bekannte Kräuter als Heilpflanzen zum Einsatz. Wir möchten Ihnen im Folgenden einen kleinen Überblick über diese Kräuter und Gewürze geben.
Ayurveda Kräuter für Dosha: Vata
Wer sich als Vata-Typ sieht, für den sind besonders die folgenden eher süßen bzw. wärmenden Kräuter und Gewürze zu empfehlen:
- Anis
- Arnika
- Calendula
- Chili
- Dill
- Fichte
- Hagebutte
- Ingwer
- Isländisch Moos
- Kardamom
- Lavendel
- Muskat
- Oregano
- Süßholz
- Thymian
- Wacholder
- Zimt
Ayurveda Kräuter für Dosha: Pitta
Wer sich eher als Pitta-Typ sieht, sollte eher auf süße, kühlende Pflanzen und Gewürze zugreifen. Beispiel:
- Brennnessel
- Distel
- Frauenmantel
- Himbeere
- Kamille
- Limone
- Löwenzahn
- Melisse
- Rose
- Süßholz
Ayurveda Kräuter für Dosha: Kapha
Als Kapha-Typ empfehlen wir vor allem bittere, scharfe sowie wärmende Kräuter wie zum Beispiel:
- Basilikum
- Chili
- Eisenkraut
- Engelwurz
- Eukalyptus
- Fichte
- Galgant
- Ingwer
- Knoblauch
- Kurkuma
- Minze
- Nelke
- Pfeffer
- Salbei
- Schafgarbe
- Senf
- Wacholder
Fazit
Ganz gleich, ob Sie bereits positive Erfahrungen mit Ayurveda gemacht haben oder sich diesem ganzheitlichen Ansatz gerade erst nähern: Die jahrtausendealte Ernährungslehre der traditionellen indischen Medizin zeigt eindrucksvoll, wie eng unser Wohlbefinden mit einem gesunden Darm, einem stabilen Stoffwechsel und einem gut versorgten Gewebe verbunden ist. Im Ayurveda steht dabei immer der Mensch als Ganzes im Mittelpunkt – mit dem Ziel, Körper und Geist in ein natürliches Gleichgewicht zu bringen.
Aus diesem Grund empfehlen wir Ihnen, die oben genannten Kräuter und Gewürze bewusst und entsprechend Ihres individuellen Ayurveda-Doshas in Ihren Speiseplan und Ihren Alltag zu integrieren. Schon kleine Anpassungen in der täglichen Ernährung können im Sinne des Ayurveda einen spürbaren Unterschied machen und Ihr allgemeines Wohlbefinden positiv unterstützen.
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Autor: Jens Jakob, Inhaber & Diplom-Biologe, Spezialisierung Heilkräuter
Quellen:
Dosha-Konzept (Vata, Pitta, Kapha) – wissenschaftliche Einordnung & psychologische Korrelate: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6822152/ (Studie: Dosha-Ungleichgewichte korrelieren mit westlichen Messungen von Angst, Stress & Lebensqualität)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4719489/ (neurobiologisches Modell der drei Dosha-Typen – Vata, Pitta, Kapha als Gehirntypen)
Ayurvedische Kräuter allgemein – Evidenzlage: https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8185965/ (kritischer Review: Wo steht die Evidenz für Ayurveda? Stand der klinischen Forschung)
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